BLÜHT EP (2015)


01 – SCHWRKRFT

Weiße Flaggen auf den Dächern, die Häupter tief gesenkt. Vorbei die endlose Schlacht, die wir Krise nennen. Wir stolpern über Leichen und barfuß über Scherben, als Wolf lebst Du als Krieger, doch als Schaf lebst du in Herden. Das letzte Feuer ist verstummt, alle Reden sind geschrieben. Die Luft geht uns zu Neige. Die Abschiedsbriefe versiegelt. Wo gehen wir hin, wenn keiner auf uns wartet? Wo gehen wir hin? Wohin? Mir fließt der Regen durch die Adern, was ist bloß passiert? Wir schweigen uns an und schreien uns aus. Wie blind vor Angst. Ich werd‘ nie dir und du nie mir je etwas glauben. Mir tropft die Schwerkraft aus den Augen. Das Kreuz auf dem Kalender markiert den letzten Tag. Vor Freude singen wir Lieder über Schabernack: „Wunden heilen nicht, wenn du an ihnen zerrst und gesund wirst du erst dann, wenn du Geduld zu haben lernst.


02 – Ankerbeine

Halt‘ die Kerzen hoch, bevor sie sehen, dass wir trauern. Alle Türen verriegelt bis auf die, die uns zum Keller führt und die Engel singen ihr letztes Gebet. Kaltes Blut auf meinen zitternden Gliedern. Und die Laken habe ich nass gepisst. Oh Gott, leg‘ mich schlafen im Sand, wir haben genug von deinen Gesten. Und ich taste mich in Dunkelheit voran. Tiefe Träume und weite Felder. Spuren im Schnee, verwischte Konturen – hier sind wir angekommen. Zu seiner Zeit waren wir noch voller Absicht und sind jetzt zu alt um aufzustehen. Wir halten Zeit für selbstverständlich und bleiben stehen. Wir bleiben stehen


03 – A.E.W. (Leben pflanzen)

Alpha, deine Worte verschwimmen im Wasser wie Kreide im Regen. Beta, mit dem Herz in der Hand traut sich keiner zu reden. In der Sonne geboren und im Regen vergessen. Bin im Wasser ertrunken und im Feuer verbrannt. Die Zeit wird zeigen wo mein Platz auf der Welt ist, aber sicher nie am Esstisch. Oh, in meinen Gärten verwelken die Nelken. Oh, die Gräser vertrocknet, die Bäume zerfallen. Wir pflanzen Leben bis die Wolken gehen. Auf ewig Winter. In der Sonne geboren und im Regen vergessen. Mit dem Herz in der Hand halten alle ihr Maul. Sie schmeißen Steine auf die Vögel die den Sommer bringen. Den Kadaver in der Erde vergraben, in der Hoffnung, dass Bäume entspringen. Wir pflanzen Leben bis die Wolken gehen. Auf ewig Winter. Auf dass der Aufwand einen Sinn hat. Mir fließt der Regen durch die Adern, was ist bloß passiert? Wie blind vor Angst. Ich zieh‘ den Karren bis ans Wasser und dich hinterher, alles was uns schadet verendet im Meer.

Wenn du im Regen duschst, brauchst du trotzdem die Sonne zum trocknen und zum atmen. Aber wenn sie dann kommt, verbrennt sie dir die Augen und die Haut und sie macht dich blind. Manche Dinge sind eben paradox, ich habe ja auch Angst davor, für meinen Atheismus in die Hölle zu kommen. Ich fürchte mich vor vielen Dingen.

Ich fürchte, ich kann dir nicht sagen, was ich meine. Ich fürchte, ich hab längst vergessen was es war (der Brunnen vertrocknet, die Häuser verbrannt). Wenn du dem Leben für den Augenblick ins Auge blickst, vergisst man schnell mal den Tag und das Jahr. Auf ewig Winter.


04 – Frontal ans Meer

Wunden heilen nicht, wenn du an ihnen zerrst. Und gesund wirst du erst dann, wenn du Geduld zu haben lernst. Ich hab‘ viel zu lang versucht, mir diese Narben zu verzeihen, doch es kommt der Tag an dem sie mir mal Eleganz verleihen. Die Äste brechen an deinem Glanz. Du deutest Richtung Zukunft. Die Hand geküsst ein letztes mal und fahren davon. Wir erblinden am bloßen Tageslicht. Kein Mensch kann halten, was er uns verspricht. Mir steht die Luft zu Kopf, doch mein Atem stockt: man hat mich in ein Grab gelockt. Hier ist nichts mehr, wie es früher war. Nichts steht da, wo es mal stand. Der Brunnen längst vertrocknet, die Häuser längst verbrannt. In diesem Wald sind die Bäume zu hoch und die Seen sind zu tief. Schnell, frontal ans Meer, wo keiner weiß, wer wir sind, was wir wollen, wo wir herkommen: hier sind wir angekommen. Wunden heilen nicht, wenn du an ihnen zerrst. Und gesund wirst du erst dann, wenn du Geduld zu haben lernst. Ich hab‘ viel zu lang versucht, mir diese Narben zu verzeihen und es kam nie der Tag, an dem sie mir mal Eleganz verleihen. Der Brunnen vertrocknet, die Häuser verbrannt.


05 – 1t Sonne

Bevor mein Plan zu scheitern droht, erhäng‘ ich mich im Abendrot. Wir sind das Opfer eines Attentats auf die letzten Überlebenden. Und wenn mich keiner hier findet, bau‘ ich mir ein Haus in welchem keiner mit mir leben will. Vor uns liegt alles was wir wollten und mehr, doch die Lasten zu tragen wird uns zu schwer. Wir sind Blinde auf dem Weg nach Haus. Und wenn das alles ist, was ich je wollte, dann ist das alles was ich jemals krieg‘, und wenn es Keinen gibt der mich beschützt, dann gibts auch Keinen der mich liebt. Nimm dieses Wort als die Warnung, die ich mit meinem Blut an deine Zimmerdecke schrieb. Tief in einem Grab pumpt das Herz eines Kindes, silence the voiceless and justice for all. Das ist kein Leben das ist Warten und Schweigen. Und wenn ich sterbe, wird die Welt sich weiterdrehen. Ich hab die Chance verpasst, die Karten zu schreiben und jetzt bin ich gezwungen die Wege zu gehen. Oh, was für ein Dilemma.


06 – Ende aller Wege

Auf der Suche nach dem Gleis, fährt der Zug an mir vorbei. Barfuß auf Asphalt, hier ist der Regen unser Sonnenland. Der Traum verbleibt und die Asche legt sich nach dem Brand. Und ein Baum ersetzt noch lange keinen Wald, hier regt sich nichts mehr, außer ich mich auf. Wenn unser Schweigen durch die Flure hallt, weiß ich endlich wo hin ich lauf‘. Körperkontakt bis mir das Blut gerinnt. Und die Menschen bleiben wer sie sind. Das letzte Lied erklingt, mein Wort steht in der Luft, denn das Leben richtet sich nach uns. Wir haben die Antwort auf keine eurer Fragen. Hier dreht sich alles nur um dich. Weiße Raben ziehen an mir vorbei und nehmen sich was an mir noch glänzt. Das Ende aller Wege. Die schwerste aller Federn. Das erste aller Lieder. Der erste aller Fehler. Das Ende ist viel zu nah. Auf der Spitze des Berges wird man dir die Augen verbinden und lautlos verschwinden. Die Tage werden viel zu lang.